Katholisch - sozial - politischDrei Stichworte prägen die Arbeit des KSI1. Katholisch Im Licht des christlichen Glaubens erschließt sich eine bestimmte Sicht des Menschen: Er ist als Bild Gottes, als das "ihm ähnliche" Gegenüber (Gen 1,26) geschaffen und so mit einer einmaligen unveräußerlichen Würde ausgezeichnet. Der Mensch ist geschaffen und berufen, als leibhaftes, vernunftbegabtes, verantwortliches Geschöpf in Beziehung zu Gott, seinem Schöpfer, zu den Mitmenschen und allen Geschöpfen zu leben.Weil die Menschen in Jesus Christus bereits erlöst sind, brauchen sie sich in ihrer Lebens- und Weltgestaltung nicht selbst zu erlösen. Trotz der Gebrochenheit menschlicher Existenz ist dem von Gott berufenen Menschen mit Schöpfung und Erlösung die Fähigkeit zu einer verantwortlichen Gestaltung der Welt geschenkt. Dieses Können geht allem Sollen voraus. Die ethische Forderung entspringt der von Gott gegebenen Befähigung zu vernünftigem und verantwortlichem Handeln. In der Nachfolge Jesu existiert die Kirche nicht für sich selbst. Sie hat eine Sendung für alle Menschen und alle Völker. Sie soll durch Wort und Tat allen Menschen die frohe und befreiende Botschaft von Gottes Gegenwart mitten in unserem Leben und in unserer Geschichte bezeugen. Deshalb dürfen Glauben und Leben, Verkündigung und Praxis der Kirche sowohl im eigenen Verhalten der Kirche wie in ihrer Botschaft nicht auseinander treten. Die Christen können nicht das Brot am Tisch des Herrn teilen, ohne auch das tägliche Brot zu teilen. Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte, für Gerechtigkeit und Solidarität ist für die Kirche konstitutive Verpflichtung aus ihrem Glauben an Gottes Solidarität mit den Menschen und aus ihrer Sendung, Zeichen und Werkzeug der Einheit und des Friedens zu sein. 2. Sozial Die soziale Botschaft ist das Ergebnis der Reflexion über menschliche Erfahrungen in verschiedenen geschichtlichen Situationen und Kulturen. Christliche Gesellschaftslehre ist darum kein abstraktes System von Normen, sie entspringt vielmehr der immer wieder neuen Reflexion auf die menschliche Erfahrung im Lichte des christlichen Menschenbildes. Sie gibt keine technischen Lösungen und konkreten Handlungsanweisungen, sondern vermittelt Perspektiven, Wertorientierungen, Urteils- und Handlungskriterien. Sie hat sowohl eine prophetische wie eine ermutigende, versöhnende und heilende Funktion.
Wenn Gottes- und Nächstenliebe, Glaube und Ethos, Bekenntnis sowie Feier des Glaubens und Praxis der Gerechtigkeit nicht voneinander zu trennen sind, dann muss sich das Doppelgebot der Liebe auch in der strukturellen Dimension auswirken: in dem Ringen um den Aufbau einer Gesellschaft, die niemanden ausschließt und die Lebenschancen für alle sichert. 3. PolitischDie aus biblischer Botschaft und christlichem Glauben entwickelten ethischen Perspektiven sind Grundlage für den Beitrag der Kirche zur Fortentwicklung einer menschenwürdigen, freien, gerechten und solidarischen Ordnung von Gesellschaft und Staat. Diese Perspektiven und Maßstäbe sind Ausdruck einer langfristig denkenden Vernunft, die sich nicht durch vermeintliche Sachzwänge oder durch kurzfristige Interessen irre machen lässt. Sie können in der christlich geprägten europäischen Kultur auch von Nicht-Christen akzeptiert werden und tragen damit zur Wiedergewinnung des ethischen Grundkonsenses bei, auf den Politik, Wirtschaft und Gesellschaft angewiesen sind. Die Kirche will nicht selbst Politik machen. Denn: man kann nicht nicht politisch handeln - jede Handlung hat ihre politische Relevanz. Auf der Grundlage der theologischen und ethischen Reflexionen sowie der notwendigen Verständigung über einen Grundkonsens für eine zukunftsfähige Gesellschaft stellt sich die Frage nach konkreten Veränderungen. |