Unsere Tagungshäuser stehen für gute Gastfreundschaft, perfekten Service und eine reichhaltige Speisen- und Getränkeauswahl. Auf den ersten Blick scheint die Fastenzeit mit dieser Welt des Genusses nur schwer vereinbar zu sein. Kann man in unseren Tagungshäusern überhaupt fasten?
Die Antwort ist: Ja – und zwar auf eine Weise, die gut zur Gemeinschaft in unseren Häusern passt.
Fasten als gemeinsames Anliegen
Fasten bedeutet nicht nur Verzicht. Vielmehr lädt die Fastenzeit dazu ein, innezuhalten, Gewohntes zu hinterfragen und den Blick neu auszurichten: auf das Wesentliche, auf Dankbarkeit und auf Gemeinschaft. Diese Haltung lässt sich auch im Alltag unserer Tagungshäusern erleben.
Gerade im kollegialen Miteinander und im Bereich Nachhaltigkeit eröffnen sich viele Möglichkeiten. Ob besondere Angebote für Mitarbeitende und Gäste, gemeinsame Aktionen oder Impulse zum Nachdenken – auch in einem gastronomischen Umfeld kann die Fastenzeit bewusst gestaltet werden.
Die Misereor-Fastenaktion in unseren Tagungshäusern
Ein zentraler Bestandteil in diesem Jahr ist die Fastenaktion von Misereor, die in allen Tagungshäusern aufgegriffen wird. Sichtbares Zeichen ist das Hungertuch, das in den Häusern ausgestellt wird. Begleitende Materialien laden dazu ein, sich mit den Themen der Aktion auseinanderzusetzen.
Neben Informationen gibt es auch spirituelle Angebote – Andachten, Meditationen oder kleine Impulse für Mitarbeitende und Gäste. Der diesjährige Titel lautet: „Liebe sei Tat.“ Es erinnert daran, dass Nächstenliebe nicht nur gedacht oder gefühlt werden soll, sondern im Alltag sichtbar gelebt werden muss.
Der thematische Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Kamerun. Die Aktion richtet den Blick auf Fragen globaler Gerechtigkeit: Talente stärken, Perspektiven schaffen und Menschen vor Ort unterstützen. Informationsmaterialien in den Tagungshäusern greifen diese Themen auf und stellen den Zusammenhang zum Hungertuch her.
Verantwortung für Lebensmittel: United Against Waste
Fasten kann auch ganz praktisch gelebt werden – etwa im Umgang mit Lebensmitteln. Deshalb beteiligen sich unsere Tagungshäusern an der Initiative United Against Waste.
Der Verein ist eine Initiative der Gastronomiebranche. Ziel ist es, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Durch Abfallanalysen, Durchschnittswerte und praxisnahe Lösungen erhalten Betriebe konkrete Werkzeuge, um Lebensmittelabfälle im Küchenalltag messbar zu vermeiden.
Die Arbeit von United Against Waste zeigt zugleich, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln nicht nur Ressourcen schont, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Öffentlichkeitsarbeit und Informationsangebote tragen außerdem dazu bei, das Thema stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken.
Fasten und rheinische Lebensfreude
Bleibt noch die Frage: Wie passt das alles zur rheinischen Mentalität von Frohsinn und Genuss?
Vielleicht hilft ein Satz aus einer Andacht zum Hungertuch weiter:
„Liebe nicht nur denken oder fühlen, sondern leben. Dass sie in unseren Taten sichtbar wird – hier und jetzt, in unserer Dienstgemeinschaft, den Tagungshäusern und in der Welt um uns herum.“
Fasten bedeutet also nicht, Freude oder Genuss auszuschließen. Auch beim Genießen kann man bewusst und verantwortungsvoll handeln. Niemand muss verschwenderisch sein, um gute Gastfreundschaft zu erleben.
Und auch eine andere rheinische Tradition darf dabei ihren Platz behalten: das Kölsch.
Unter dem augenzwinkernden Motto „Flüssiges bricht Fasten nicht“ schenken unsere Tagungshäusern in diesem Jahr das Fastenbier von Gaffel aus.
Der Spruch hat eine lange Tradition. Schon in Klöstern wurde während der Fastenzeit Bier gebraut und getrunken – häufig als sogenanntes „Flüssigbrot“. Es lieferte Energie in Zeiten reduzierter Mahlzeiten und zeigte zugleich, dass Verzicht und Stärkung keinen Widerspruch bilden müssen.
Das Fastenbier von Gaffel knüpft an diese Tradition an. Es wird bewusst gebraut und zeichnet sich durch einen charaktervollen, tiefen Geschmack aus. Damit steht es sinnbildlich für eine Fastenzeit, die nicht allein vom Weglassen lebt, sondern von einem achtsamen Umgang mit dem, was wir genießen.
Räume für Begegnung schaffen
Als Tagungshäuser des Erzbistums Köln verstehen wir uns nicht nur als Orte der Verpflegung, sondern auch als Räume der Begegnung. Hier kommen Menschen zusammen, tauschen sich aus und erleben Gemeinschaft.
Gerade die Fastenzeit bietet die Gelegenheit, diese Begegnungen bewusst zu gestalten: durch Impulse zum Nachdenken, durch verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln und durch eine Atmosphäre, die Gemeinschaft fördert.
So zeigt sich: Fasten und Tagungshäusern schließen sich nicht aus. Im Gegenteil – sie können sich sinnvoll ergänzen. Denn bewusster Genuss, Gastfreundschaft und Verantwortung gehören letztlich zusammen.


